Netzwerk-Tage
Herzliche Einladung an alle unsere Weiterbildungsteilnehmer zu unseren jährlichen Netzwerktagen!
An diesen Tagen gibt es vieles zu erleben: Aktuelle fachliche Impulse, Entwicklungen im Nestli, alte Freunde treffen und Neue kennenlernen, gegenseitiger Austausch und Ermutigung und ein schönes Miteinander!
Bitte beachte, dass für die Teilnahme an den Netzwerktagen eine Trauma-Weiterbildung Voraussetzung ist.
Mit unserem spannenden Thema möchten wir uns einem sehr aktuellen Feld annähern.
Thema: Auswirkungen von Pornografiekonsum auf Sexualität und Partnerschaft und Wechselwirkungen mit sexueller Gewalt.
Dozentin: Dipl. Psychologin Tabea Freitag
Implikationen für Traumatherapie und Pädagogik, Behandlungsansätze für Betroffene und Angehörige bei Porno-/Cybersexsucht
Durch die leichte und ständige Verfügbarkeit im Netz gehört Pornografie inzwischen für die Mehrzahl der Kinder und Jugendlichen zur sexuellen So-zialisation: 94 % der 14-17-jährigen Jungen und 67% der Mädchen haben bereits Pornografie gesehen. Zwei Drittel der Jungen konsumieren täglich bis mehrmals wöchentlich. Bei erwachsenen Männern sind die Zahlen vergleichbar. Dabei sind Pornos nicht harmlos. Viele der Inhalte verknüpfen Sexualität mit Gewalt und Frauenverachtung. Inzwischen glauben 47 % der 16- bis 21-jährigen Jugendlichen, Gewalt beim Sex gehöre dazu und Mädchen würden dies erwarten.
Wechselwirkungen zwischen Pornografie und sexueller Gewalt sind vielfältig – von den Inhalten der überwiegend gewaltverherrlichenden Main-stream-Pornografie (vgl. Bridges et al, 2010) und vielfach brutalen Herstellungsbedingungen einschließlich moderner Sklaverei über die Konditionierung von sexueller Erregung auf Gewaltphantasien und -wünsche bei den Konsumenten/innen, der Sucht- und Steigerungsdynamik hin zu härteren Inhalten bis hin zur Nachahmung von Gewaltpraktiken und Grenzverletzungen sowohl in erwachsenen Beziehungen und Dates als auch unter Kindern und Jugendlichen. Der Einfluss von frühem Pornografiekonsum auf die Zunahme von sexuellem Missbrauch wurde in zahlreichen Studien be-legt. Dabei werden Jungen, die häufig Pornografie sehen, sehr viel häufiger zu Tätern, konsumierende Mädchen häufiger zu Opfern von sexuellem Missbrauch und Gewalt. Umgekehrt reinszenieren nicht wenige Opfer von sexueller Traumatisierung diese im Konsum harter Pornografie als Bewäl-tigungsversuch. Pornografie fördert bei Mädchen darüber hinaus auch die Selbstwahrnehmung als Sexobjekt und in der Folge zunehmend die Selbstvermarktung in Pornografie und Prostitution. Der scheinbar lukrative Einstieg über Plattformen wie Onlyfans wird in sozialen Medien massiv beworben.
Durch die freie, ständige Verfügbarkeit und Normalisierung von Pornografiekonsum unter Jugendlichen wie Erwachsenen haben sich sexuelle Skripte und Beziehungsmuster verschoben. Wo Sex ein Produkt und der (meist weibliche) Körper ein Konsumgut ist, das jederzeit und in unbegrenzter Auswahl zur Verfügung steht und nach eigenem Bedürfnis bewertet und verwertet werden kann, wird eine narzisstische Anspruchshaltung beför-dert: „Ich habe ein Recht auf Sex, wann immer, mit wem und auf welche Weise ich will. Nur mein Bedürfnis zählt!” Auswirkungen auf die Partnerschaft wie Abwertung der Partnerin und Druck, schmerzhafte und demütigende Pornopraktiken umzusetzen oder die Vermeidung partnerschaftlicher Sexualität, partnerbezogene Impotenz, sexuell- emotionale Gefühllosigkeit und Unfähigkeit zu Intimität wurden in Studien vielfach belegt. Hinzu kommt aber ein tabuisiertes Trauma, das immer mehr Frauen betrifft, aufgrund der Normalisierung von Pornografiekonsum aber mit viel Scham belegt und häufig verschwiegen wird: Wenn ein jahrelang verheimlichter Porno-oder Cybersexkonsum, nicht selten mit Übergängen zu analogen Affären oder Prostituiertenbesuchen, plötzlich auffliegt, bricht für die Partnerin eine Welt zusammen, ihr Vertrauen in den anderen und in sich selbst wird zutiefst erschüttert. Dieses Betrugstrauma („betrayal trauma”) löst häufig massive psychosomatische, Stress- und Trauma-Symptome aus und wird bislang kaum ernst genommen. Aussagen wie „Das machen doch alle Männer, das musst du tolerieren” oder „dann musst du ihm mehr bieten” verstärken Scham und Isolation oder den Druck, sich auch auf unstimmige sexuelle Handlungen einzulassen. Betroffene und Angehörige brauchen daher Verständnis und Unterstützung, um Wege zu finden, eine selbstbestimmte, stimmige und partnerschaftliche Sexualität und Intimität (wieder oder erstmals) zu finden und süchtige oder coabhängige Verhaltens- und Beziehungsmuster zu überwinden.
Am ersten Tag wird ein Verständnis des Wesens pornografischer Sexualität und ihrer Dynamiken, Botschaften und Wirkungen insbesondere auf Kinder und Jugendliche und auf Beziehungen vorgestellt. Auch Ansätze zur Prävention werden thematisiert. Am zweiten Tag stehen Behandlungsansät-ze bei Porno- und Cybersexsucht („Zwanghaftes Sexualverhalten” (6C72) nach ICD11) und die Arbeit mit Angehörigen, insbes. Partnerinnen, im Vor-dergrund. Zudem werden pädagogische und traumatherapeutische Implikationen der frühen Prägung der sexuellen Lerngeschichte durch Pornografie thematisiert.
Vita der Referentin
Dipl. Psych., Psychologische Psychotherapeutin, seit 2000 in eig. Praxis mit Schwerpunkt Traumatherapie,
2008 Gründung von return gGmbH Mensch sein in digitalen Zeiten (www.return-mediensucht.de), Autorin und Referentin (www.tabea-freitag.de)
Literatur
Freitag, T. u.a.: Fit for Love? Prävention von Pornografiekonsum und sexueller Gewalt. Theorie und Praxis einer bindungsorientierten Sexualpädagogik. 5. erweiterte Auflage 2024 www.fit-for-love.org
Freitag, T.: Online betrogen? Wenn Porno-und Cybersexsucht die Beziehung belasten. Bestellung oder Download unter www.return-mediensucht.de
Nächster Termin:
26.02.2027 – 27.02.2027
Weitere Termine:
Kosten
Seminargebühr: 225€
Verpflegung: 75€
Weitere Informationen
Am Donnerstag vor den Netzwerktagen gibt es wie gewohnt die Möglichkeit zur Supervision.
Weitere Informationen sowie die Anmeldung dafür, finden Sie auf unserer Seite zum Nestli Supervisionstag.
Veranstaltungsort: Online oder im Nestli Seminarhaus, Kleinried 27, 91572 Bechhofen
Wir behalten uns vor, die Netzwerk-Tage bei zu geringer Teilnehmerzahl abzusagen.
Hinweise zur Anmeldung
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Eine Anmeldebestätigung und eine Rückmeldung, ob wir Ihren Zimmerwunsch im Nestli-Seminarhaus berücksichtigen können, erhalten Sie in der Regel zeitnah. Genauere Informationen zum Seminar werden kurz vor dem Seminar an Sie versandt.
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Bitte überweisen Sie die Seminarkosten und den Betrag für die Unterkunft erst, wenn Sie eine Rechnung von uns bekommen haben.
Allgemeine Hinweise
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Bei kurzfristigen Absagen (innerhalb vier Wochen vor Seminarbeginn) fallen 50€ Bearbeitungsgebühr an. Die Pensionskosten werden erstattet, wenn die reservierten Zimmer durch andere Gäste belegt werden können. Bei Absagen innerhalb einer Woche vor Seminarbeginn stellen wir Ihnen die Hälfte der Seminarkosten in Rechnung.
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Mit Ihrer Anmeldung sind Sie einverstanden, dass Ihre Daten in unserer Seminarverwaltung elektronisch gespeichert und verarbeitet werden. Wenn Sie nicht widersprechen, geben wir auf Anfrage Ihren Namen und Ihre Telefonnummer an andere Seminarteilnehmer zwecks Bildung von Fahrgemeinschaften weiter. Unsere Datenschutzerklärung informiert Sie über die Protokollierung der Anmeldung und Ihre Widerrufsrechte.